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Juli 2018

Natur

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Ein großer Teil unserer Existenz ist die Verbundenheit mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen und auch die Verbundenheit mit der Natur. Ohne sie existieren wir nicht und doch verschwindet sie aus unseren Köpfen und immer mehr auch aus unserer Welt. Wir müssen die Natur zurück in unsere Augen, Nasen, Ohren und zwischen unsere Finger lassen, damit wir in unsere Verbundenheit zurückfinden. Hier sind ein paar Artikel, die dazu inspirieren wollen:

Warum wir Freude an der Natur empfinden und was wir damit tun könnten: “Wir haben vielleicht die Natur verlassen, aber die Natur hat uns nicht verlassen.” Das ist der entscheidende Satz von McCarthy, denn in ihm steckt so etwas wie Hoffnung. Eine Hoffnung darauf, dass wir der Liebe zur Natur, die wir als naturgeschichtliches Erbe in uns tragen, nicht nur individuell auf Spaziergängen oder bildhaft in Fotografien, Büchern und Filmen Ausdruck verleihen, sondern dass wir diese Liebe verwandeln in gesellschaftliches Handeln.

Bilder des Trostes, H wie Habicht: “Maßstäbe verstehen wir nur sehr schlecht. Die Lebewesen im Erdreich sind zu klein, als dass wir uns um sie sorgten. Der Klimawandel ist zu riesig, als dass wir ihn uns vorstellen könnten. Auch die Zeit verstehen wir kaum. Wir können uns an nichts erinnern, das vor uns lebte; wir können das nicht lieben, was es nicht mehr gibt. […] In Bildern finden wir Trost und wir tilgen jegliche Geschichte aus unseren Landschaften.” (Helen Macdonald, übersetzt von mir aus dem englischen Original H is for Hawk, S. 265)

Postwachstum: Müssen wir uns gesundschrumpfen? Wie könnten wir zu attraktiven Alternativen zum “Wachs oder stirb!” kommen? Zunächst einmal müssten wir wohl Abschied nehmen von einem Denken und Handeln, in dessen Zentrum das Bruttoinlandsprodukt steht, sodass “die ökologischen und sozialen Folgekosten von Wachstum” mit in Betracht gezogen werden. Es ist der kleinste gemeinsame Nenner innerhalb der Degrowth Bewegung, die Erkenntnisse zu den Folgekosten endlich ernst zu nehmen und unser wirtschaftliches Denken und Handeln danach auszurichten. Dazu werden verschiedene Dimensionen identifiziert, an denen man ansetzen müsse: Zeit und Ressourcen, Infrastruktur und Finanzen, Ökonomische Institutionen und soziale Vergleichbarkeit, Materielle Bedürfnisse und Konsumgesellschaft.

Das Geräusch der Stille: Wo gibt es noch Stille? Ja, was überhaupt ist Stille? Stille ist etwas essentielles für uns Menschen, das uns abhanden zu kommen droht. Es gibt Grenzwerte für das, was wir als sauber in Hinsicht auf Wasser und Luft bezeichnen. Was aber sind die Grenzwerte für Stille? Wie können wir sie in den Alltag zurückholen?

Der Weg wird durch das Gehen geschaffen: Das Umhergehen und das Denken sind in allen Kulturen eng verknüpft. Nicht nur können unsere Gedanken wandern und umherschweifen, wir entwickeln sie auch in sogenannten Gedankenschritten und manchmal können unsere Gedanken auch rasen. Inzwischen ist der Zusammenhang zwischen Denken und Gehen auch wissenschaftlich belegt: Der gleichförmige Takt des Gehens hilft dem Hippocampus bei seiner rhythmischen Transaktion gadanklicher Inhalte vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis.

Der allwissender Gott – Reloaded: Alle höheren Kulturen beruhen auf der Idee, es existiere eine externe Beobachterintelligenz, die imstande sei, sämtliche Lebensvorgänge synchron zu erfassen, auch jene, die sich in der Dunkelheit des Unwissens oder des bösen Willens verstecken. Nachdem wir die Religionen zurückgedrängt haben, ist es nun die Technik, die diese göttlich Rolle einnimmt.Wir spüren die Monstren des Fortschritts im Nacken: Beim Lesen von Bruno Latour musste ich immer wieder an Frankensteins Monster denken, in dem sich die Folgekosten des technischen Fortschritts in einer zerstörerischen Form aufdrängen. Wir können die Beziehungen zwischen den menschlichen und nicht-menschlichen “Dingen” nicht weiter ausblenden.

Entgrenzte Horizonte: Ein Leben ohne Normalität: Lokale Bräuche, Religionen, Sitten und Zusammenkünfte waren das Herz in einer schon immer herzlosen Welt. Das wir uns danach zurücksehnen zeigen völkische Rückwärtsbewegungen wie der Brexit. Das sind jedoch nur hilflose und sinnlose Reaktionen auf Phantomschmerzen, die nichts Gutes bringen werden. Was wir wirklich benötigen, sind neue Prothesen für unsere amputierten Herzen. Die müssen wir im Vorwärts bauen, wir werden sie nicht im Rückwärts finden.

Freiheit und Naturzustand: Jeder würde intuitiv zustimmen, dass es in der Wildnis, also in der Natur abseits jeglicher menschlichen Einflüsse, keine Unfreiheit gibt. Und genauso ist der Begriff “Freiheit” keiner, der sich sinnvollerweise auf Vorgänge in der Wildnis anwenden lässt. Oder pointiert gesagt: Freiheit (und Unfreiheit) kann es nur geben, wo es auch Menschen gibt. Institutionen sichern uns unsere Freiheit, aber wir erleben sie als Beschränkung unserer Freiheit und als Entfremdung. Wie kommt das?

Von der Abstraktion zum realen Leben kommen: Warum starren wir aufs Meer hinaus, ohne dass es uns langweilt? Warum zählen wir die Sterne, laufen durch den Wald und lauschen den Vögeln? Das ist die Achtsamkeit, die in uns als Freude und Interesse am Realen angelegt ist. Was uns an der Natur so erfreut, ist, dass die Dinge und Wesen dort nur sie selbst sind. Diese absolute Realität, die Abwesenheit jeglicher Mehrdeutigkeit hat etwas heilendes auf unsere in der Abstraktion verwundeten Seelen. David Whyte und die dialogische Struktur der Realität.

Im Zeitalter der Kuscheltiere: Was bedeuten all die Tiere im Kinderzimmer des Menschen? Die natürlichen Lebensräume der Tiere verschwinden. Wo sollen sie also hin? Sie verflüchtigen sich in Ideen und Sehnsüchte und finden sich wieder in den Stofftieren, Aufdrucken und Bilderbüchern unserer Kinder. Was werden wir unseren Kindern sagen, wenn sie später fragen, was wir mit den richtigen Tiere gemacht haben?

Gaia! Können wir uns noch retten? Mit der Erfolgsgeschichte “Menschheit”, der weltweiten Besiedelung des Planeten durch uns (kein anderes Tier hat das geschafft) und der damit einhergehenden Nutzung der Ressourcen samt der Rückführung all der Abfälle oder Stoffwechselprodukte in unsere Umwelt, sehen manche wie Peter Sloterdijk und auch Bruno Latour ein neues geologisches Zeitalter angebrochen, das Anthropozän, das neue und vom Menschen gemachte.

Der finstere Berg: Die Menschheit ist in einer ähnlichen Situation wie ein Todkranker: Uns wird zunehmend klar, dass unsere Existenz als Menschheit auf diesem Planeten zu einem Ende kommt. Wir sind sieben Milliarden Menschen, die der Planet nicht mehr erträgt und wir werden noch mindestens zwei Milliarden mehr werden. Die Erde wird zunehmend wärmer, ohne dass wir unseren Kohlendioxidausstoß reduzieren können. Die Eismasse der Arktis schrumpft zusehends. Das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten beschleunigt sich trotz WWF und Greenpaece. Unsere erste Reaktion, als wir mit dem Waldsterben und dem Waleschlachten konfrontiert wurden, war Wut.

Einfach nur schauen: Unsere wissenschaftliche Weltdeutung narrt uns, wenn wir glauben, dass uns die bloße Anhäufung von Wissen näher an unsere Welt um uns herum heran bringt. Es ist nicht das Wissen, das zählt, wenn wir als Menschen direkte Erfahrung suchen, es ist die Methode. Es gäbe einen “Unterschied zwischen Sehen und Sehen”, meint Goethe in seiner Einleitung in die Morphologie und niemand, der aufmerksam schaut, werde die Natur jemals tot und stumm finden.

Mit Hans Fallada in Carwitz: Seit meiner frühen Liebe zum frechen Dachs Fridolin wollte ich immer diesen Ort am schmalen Luzin sehen, wo die Dachs-Familie neben den Ditzens lebte, wo sich Fridolin mit Kuh, Hund und Fuchs anlegte und wo die Natur dem Alltag noch ihre Form aufzwang und damit das Leben zwar strenger, aber auch einfacher machte. Jetzt endlich hatte ich einmal die Gelegenheit ergriffen, Zelt, Schlafsack und Kanu ins Auto gepackt und die schön bewaldete Strecke durch den Nordosten Brandenburgs nach Mecklenburg befahren.

Zuflucht zu den inneren Wäldern: Nicht jeder kann in eine Hütte am Ural ziehen. Und außerdem wollen das auch nur die wenigsten. Warum? Nun: Ich empfehle das Buch von Tesson zu lesen, dann kriegt man von ganz allein kalte Füße. Aber wir haben eben doch die Wahl: Wenn es nicht die Wälder der Wildnis sind, in die wir uns zurückziehen können, dann wenigstens die inneren Wälder, die wir oft aber auch erst wieder entdecken müssen.

Rasende Gedanken und 14000 Schritte im Wald: Ich laufe in den Wald, der frisch nach Laub und Erde riecht. Die Gedanken rasen noch, wie immer, wenn plötzlich Platz da ist, wenn es zuviel Zeit gibt. Es kommt mir vor, als hätte ich einen Zeitmuskel, den ich permanent anspanne, um das Maximum aus jedem Moment zu pressen. Und dieser Muskel ist nun verspannt und kann sich nicht mehr so leicht entkrampfen. Ich lasse es geschehen, sollen sie doch rasen, die Gedanken. Irgendwann werden sie sich ausgerast haben. Irgendwann wird sich der Muskel entkrampfen.

Downshifting – Legenden vom Kürzertreten: Auf dem vorläufigen Höhepunkt der westlichen Wirtschaftskrisen und in Verbindung mit Stress und Burnouts sind Lebenskonzepte wie Downshifting, Aussteigen und Minimalismus in Mode gekommen. Neu sind diese Ideen ja nicht: Henry David Thoreau ist ein frühes Beispiel vom Aussteigen aus der westlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Und wie realistisch ist so ein Ausstieg heute?

Sind wir böse? Sind wir dumm? Ist das dasselbe? Was ist das Böse? Wenn etwas moralisch richtig ist, dann ist es gut, wenn etwas moralisch falsch ist, ist es böse. So unser modernes Verständnis vom Bösen. Aber wie ist es mit Naturkatastrophen, die jetzt vermehrt über uns hereinbrechen und wahllos Menschen in den Tod reißen?

Der ewige Gärtner und die endlose Kultivierung unserer Umwelt: Der Zug des Vergärtnerns der Natur zum Park, ist so grundlegend für uns Menschen, dass er noch heute auch dort in uns fortlebt, wo er gänzlich unnütz, sogar schädlich ist, zum Beispiel wenn wir keine Brennesseln und Gestrüpp in unseren Städten mehr ertragen und dafür in Kauf nehmen, noch die letzten Unterschlüpfe und Nahrungsquellen den sonst so geliebten Bienen, Schmetterlingen und Igeln zu nehmen.

Liebe, Partnerschaft und Weisheit

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Schon die antiken Griechen waren überzeugt, dass wir mit der Liebe beginnen müssen, um zu verstehen, was die Philosophie ist. Schließlich ist Philosophie wortwörtlich die Liebe zur Weisheit. Und auch heute noch sagen Philosophen wie Graham Harman, dass man das Wahre nicht kennen, sondern nur lieben könne, denn nur die Liebe ermöglicht eine immerwährende Annäherung an die Dinge und Lebewesen über die Distanz hinweg, die uns von ihnen trennt. Der französische Philosoph Alain Badiou, Autor des Buches Lob der Liebe, sagt auf diese Differenz anspielend: “Die Liebe ist die einzige Lösung für die radikale Einsamkeit.”

Liebe ist also auch in einem ganz konkreten zwischenmenschlichen Sinn ein wichtiges Thema für uns alle und die Philosophie. Ganz praktisch beschäftigt sich z.B. Alain de Botton schon sein Leben lang mit der Liebe zwischen Menschen, zuletzt in seinem Buch Der Lauf der Liebe, in welchem er uns ermutigt, unsere Ansprüche an unsere Beziehungen realistischer zu betrachten, um glücklicher zusammen zu leben.

In Schule und Universität lernen wir vielleicht eine ganze Menge, aber über eine der wichtigsten Sachen des Menschseins, nämlich über die Liebe zueinander, zu sich selbst, zur Welt mit all ihren Tieren, Pflanzen und Landschaften, darüber lernen wir so gut wie gar nichts. Wir können das nachholen, zum Beispiel mit der Philosophie, der Liebe zur Weisheit. Im folgenden habe ich einige Artikel zum Thema Liebe zusammengestellt:

Wut macht uns kaputt, aber es gibt eine Alternative: Martha Nussbaum zu Zorn, Vergebung und Weisheit in der Beziehung. Wir können nicht erwarten, von einer plötzlichen Weisheit erleuchtet zu werden und danach auf jegliche Wut verzichten zu können. Wir können uns aber der Weisheit annähern, indem wir versuchen, von der Wut zur Trauer überzugehen und in unserer Persönlichkeit über uns hinaus zu wachsen, indem wir anderen leichter vergeben und davon absehen, unsere eigenen Bedürfnisse immer als alternativlos zu verstehen. Letztlich läuft es darauf hinaus, zu einer – wie es im Untertitel von Nussbaums Buch heißt – Kultur der Gelassenheit zu kommen.

Warum die Liebe nicht gelingt: Alain de Botton ruft zum Realismus in der Liebe auf. Alain de Botton beschreibt ziemlich genau, warum die Liebe mit dem 19 Jahrhundert plötzlich von der typischen Vernunftehe zu einer romantischen Raserei geworden ist, deren Luftschlösser allenthalben für irdische Enttäuschung sorgen. Und er zeigt, wie Partnerschaft dennoch gelingt.

Das törichte Verlangen nach Gerechtigkeit: Es gibt etwas größeres als Fairness im Leben. Mann muss ja nicht so weit gehen wie Sokrates und ein ungerechtes Todesurteil aus vollem Herzen willig an sich selbst vollstrecken. Aber wenn wir diese zwei Regeln beherzigen, dann können wir mit der alltäglichen Unfairness besser umgehen und so zu etwas größerem gelangen, als zu einer kleinen Gerechtigkeit: Unsere Weisheit und damit mehr Frieden und Gelassenheit im Umgang mit unseren Mitmenschen.

Du sollst alles für mich sein! Von Umgang mit überzogenen Erwartungshaltungen in der Liebe. Nichts steht uns wirklich zu. Alles, was wir in der Liebe erhoffen können, ist das der andere einige unserer Erwartungen erfüllt, weil er oder sie es eben will, weil es in ihrer Natur liegt und weil wir selbst dem anderen mit Leib und Seele zur Verfügung stehen. Und zwar, nicht weil wir müssen oder weil es vernünftig ist, sondern weil wir selbst es so wollen.

Wie können wir mit Neurotizismus leben und lieben? Kein Wesenszug sagt so zuverlässig ein Scheitern von zwischenmenschlichen Beziehungen voraus, wie ein hoher Wert an Neurotizismus. Wer einen hohen Neurotizismuswert hat, der wird eher emotional labil sein, zu Nervosität neigen, öfter über körperliche Schmerzen klagen, sich oft mit Ärger und Ängsten herumplagen, schnell und intensiv auf Stress reagieren und von seinem hohen Stresslevel nur langsam wieder herunter kommen. Wie kann man als neurotischer Mensch in Beziehungen glücklich werden? Wie lebt man mit Neurotikern gut zusammen?

Hab Mitgefühl mit deinem Körper! Mitgefühl mit dem eigenen Körper ist eine Voraussetzung zur Eigenliebe. Genießen wir unsere Körper und verzeihen wir ihnen, wenn sie nicht immer klaglos funktionieren. Sie funktionieren viel mehr, als dass sie nicht funktionieren. Wenn dir etwas weh tut, dann ermutige deinen Körper, denn er tut sein bestes. Der Schmerz ist ein Zeichen für seinen Kampf um dein Leben. Hilf ihm dabei, in dem du ihm gibst, was er braucht.

Die Unmöglichkeit der Liebe mit Kind: Genervte Eltern im Baby-Clash, Die romantische Liebe macht sich selbst über ihr schönstes Nebenprodukt (ein neues Leben) unmöglich. Eine romantische Liebesbeziehung aufrecht zu erhalten, obwohl es jetzt eigentlich darum geht, dass ein kleines aber logistisch komplexes Unternehmen Familie mit Haushalt, Krankheit, Schlaf, Erziehung und Bildung, Einkauf und Geld verdienen wie geschmiert läuft, ist beinahe unmöglich. Damit das alles funktioniert, braucht man keine innige Liebe, sondern eine gute Organisation mit einem kleinen Team und striktem Management.

Das Zeichen wahrer Liebe: Was wir von unserer Liebe zu Kindern lernen können. Es ist nicht verwunderlich, meint Alain de Botton, dass wir als junge Erwachsene los ziehen und diese erste Liebe noch einmal suchen. Diese Liebe, die nur gibt, die uns annimmt, wie wir sind, egal, was wir tun, die selbstlos und vergebend ist. Und ebenso ist es nicht verwunderlich, dass wir enttäuscht sind, wenn wir statt dessen nur auf andere treffen, die ebenso wenig bereit sind, diese Liebe zu geben, weil auch sie die bedingungslose Liebe suchen, die sie als Kind vielleicht erfahren haben. Verzeihen wir uns doch einfach gegenseitig, dass wir in unserem Bedürfnis nach Liebe wieder Kinder sein wollen. Glauben wir an das Gute im anderen, das sich durch widrige Umstände verborgen hält.

Ist die Liebe der Sinn des Lebens? Alain Badiou über Liebe, Wahrheit und Abenteuer. Alain Badiou meint, es sei die Differenz zum anderen in der Liebe, die uns ermöglicht, eine Wahrheit zu entdecken, die uns aus unserer einseitigen, vereinzelten Perspektive so nicht zugänglich war. Insofern ist die Liebe ein Verfahren, uns neue Wahrheiten zu erschließen. Und in diesem Verständnis ist die Liebe am ehesten das, was uns einen Sinn im Leben verleihen kann.

Philosophie aus Liebe zum Objekt: Durch die Transformation von einer Wissenschaft in eine Kunst, erhält die Philosophie ihren ursprünglichen Charakter der Liebe zurück. Auf eine Art ist dieses erotische Modell das grundlegende Bestreben der objektorientierten Philosophie: der einzige Weg, im derzeitigen philosophischen Klima, der Liebe jener Weisheit gerecht zu werden, die nicht behauptet, wirklich Weisheit zu sein.

Das Gehirn ist zum Gehen da

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Protest gegen die tägliche Tretmühle

Wozu haben wir ein Gehirn? Der Neurowissenschaftler Daniel Wolpert sagt, damit wir uns bewegen können. Deswegen brauchen stationäre Lebewesen wie Bäume auch kein Gehirn. Sein schönstes Beispiel für die Plausibilisierung seiner These ist die sogenannte Seescheide (Ascidiae). Dieses Tier bewegt sich am Anfang seines Lebens, um einen geeigneten Platz zu finden, auf dem sie siedeln kann, damit sie sich für den Rest des Lebens nicht mehr bewegen muss. Und was passiert dann?

“…beim Ansiedeln auf dem Felsen, wo sie immer bleiben wird, verdaut sie als erstes ihr eigenes Gehirn und Nervensystem als Nahrung. Sobald man sich nicht mehr bewegen muss, braucht man den Luxus eines Gehirns nicht mehr.” (Daniel Wolpert: Der wahre Grund für Gehirne)

Das Bewegen, das Gehen, das Wandern sind nicht zuletzt deswegen auch immer schon beliebte Themen der Philosophie gewesen. Denn die Liebe zur Weisheit (wörtliche Übersetzung von Philosophie) hat ja gewissermaßen das Gehirn als seinen Fetisch und ohne Bewegung kein Gehirn und ohne Gehirn keine Weisheit und erst recht keine Liebe.

Quelle: http://www.geistundgegenwart.de/2018/07/gehirn-zum-gehen.html